Bruder 2015

Meine Familie ist riesengroß und bunt. Wir sind sehr unterschiedlich in unseren Einstellungen, Lebensinhalten und -zielen. Die Vielfalt ist nicht immer einfach, aber sie macht uns interessant und lebendig. Unsere strenge reiche Erbtante gibt uns manchmal mehr zu denken als meine flippige Schwester oder meinen Bruder, unser schwarzes Schaf. Er war leichtsinnig und hat sich verführen lassen. Ich weiß manchmal nicht, was ihn zu Dingen bewegt. Er lebt über seine Verhältnisse und rutscht immer tiefer in Schulden, Elend und Verzweiflung. Wir helfen immer wieder, aber es scheint ein Loch ohne Boden zu sein. Was sollen wir nur tun? Ihn vor die Hunde gehen lassen, meinen kleinen Bruder? Es ist wie bei einem Abhängigen dem ich so gern helfen will, ihn aber nicht erreiche. Jede Hilfe scheint vergeblich. Wir wollen ihn jetzt nicht mehr unterstützen und ich befürchte, dass er sich seine Mittel woanders besorgt. Das ängstigt mich noch mehr. Einen Freund kann ich mir aussuchen, aber einen Bruder. Er ist Teil meines Lebens. Er ist, wenn auch nicht vollkommen, Teil der Familie und ihrer Geschichte. Solange sein und mein Herz schlägt, möchte ich für ihn da sein, für meinen Bruder Griechenland.

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